Allgemein

Die „Reichskristallnacht“…

 

und das Elend der Menschenrechte heute

 

Morgen jähren sich wieder einmal die deutschlandweiten Pogrome an den jüdischen Mitbürgern am 09.November 1938. Charlotte Knobloch warnt in ihrem Artikel der SZ vor „Routine im Umgang mit der Erinnerung“ (SZ 08.11.2013?). Routine sei der Feind der Erkenntnis.

 

Wenn aber wir heutigen Menschen aus dem Vergangenen gelernt haben, müssen wir sicher wissen, was den Unterschied macht zwischen Diktatur und Demokratie, zwischen Rassismus und Toleranz, zwischen Menschenrechten und Ausbeutung, zwischen Menschlichkeit und Barbarei.

 

Ralph Giordano sprach vom „Verlust der humanen Orientierung„.

 

Zeit für eine  Zustandsbeschreibung der westlichen Demokratien. Die USA, Deutschland, Frankreich und viele andere demokratisch organisierte Länder werden gemeinhin als reiche Länder bezeichnet, sind es aber nicht, wenn man die Staatsverschuldung betrachtet. So verwundert es nicht, dass immer mehr Menschen innerhalb dieser Länder in Armut leben. Reich sind in diesen Ländern kleine Gruppen, deren Macht dadurch derart gestiegen ist, dass sie immer stärkeren Einfluss auf das politische Geschehen gewonnen haben und diesen zu ihren Gunsten nutzen. Regierungen erlassen Gesetze, die überformt sind vom Einfluss reicher Interessengruppen, und deren Interesse überproportional berücksichtigen.

 

Real bedeutet das, dass durch solche Gesetze die Ausbeutung der Bürger, der Sozialsysteme und der Steuergelder überhaupt erst ermöglicht werden.

 

Der Souverän im demokratischen Sinne, der Bürger, und seine demokratischen Rechte sind der eigentliche Verlierer dieser Entwicklung. der ideelle Kern der Demokratie, die Menschenrechte, werden von Profitgier ausgehölt und verkommen zur bloßen Fassade.

 

Erinnerung an die Pogrome der Nationalsozialisten muss also heute in die Erinnerung an die Menschenrechte münden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Deutschland ein umfangreiches Bildungs- und Sozialsystem etabliert, die aus der Erkenntnis resultierten, dass mangelnde demokratische Bildung,  ökonomisches Elend und mangelnde Solidarität der Reichen zu einer Radikalisierung der breiten Bevölkerung führten. Arbeitslosigkeit, das mangelnde Einfühlungsvermögen sowohl der Regierungen als auch der Reichen in die dramatischen Lebenssituationen verarmter oder von Verarmung bedrohter  Menschen führten dazu, dass zwei politische Entwürfe von den Menschen Besitz ergriffen:

 

Die sozialistische Idee und der Sozialdarwinismus der Nationalsozialisten.

 

Und beide mündeten in grausamen Diktaturen mit Millionen von Toten. Auf der Strecke blieb der Humanismus. Und als Erfahrung der Menschheit bleibt, dass keinerlei Totalitarismus, kein autoritäres System zur Humanität führen kann. Jede Diktatur birgt die Gefahr des Größenwahns, der darin besteht, um ihres Machterhalts willen  jede Humanität über Bord zu werfen. Eine wesentliche Technik des Machterhalts sind Feindbilder, die die Diktaturen aufbauschen, wie Kapitalismus oder Kommunismus, die Definition innerer „Feinde“, wie Juden, „Zigeuner“ oder andere Minderheiten. Dadurch soll die Unzufriedenheit der Bevölkerung von der eigentlichen Ursache, des Machterhalts korrupter Funktionäre, abgelenkt werden.

 

Das neue heute ist, dass zunehmend Demokratien autoritäre Züge annehmen. In der Parteiendemokratie Deutschlands wie auch in anderen Ländern Europas. Wir befinden uns in einer regressiven Phase, einer Rückentwicklung hin zum Autoritären, schon wieder in einer Phase des Verlusts der humanen Orientierung.

Dem müssen wir uns entgegenstemmen.

 

Foto: Brand der neuen Synagoge in Oppeln während der Reichskristallnacht, Von Unbekannthttp://opole-z-sercem.manifo.com/nowa-synagoga, Gemeinfrei, Link