Allgemein, Politische Skandale

Ein Skandal, von dem wenige wissen

Vom „eisigen Jargon der Verachtung“

Wie sich die Krankenkassen an geringverdienenden Selbständigen bereichern

 

Wer selbständig ist und wenig verdient, ist in der gesetzlichen Krankenkasse richtig aufgehoben. Allerdings wissen viele Selbständige nichts davon, dass sie bei einem Einkommen von derzeit unter 1968,75 Euro pro Monat ihre Kassenbeiträge seit dem 01.04.2007 noch unter den Beitragssatz senken können, der ihnen von den Kassen standartmäßig abverlangt wird.

 

Das liegt daran, dass die Kassen automatisch von einem Verdienst von 1968,75 Euro ausgehen, auch wenn ihnen ein Einkommensbescheid des Finanzamts vorliegt, der ein niedrigeres Einkommen ausweißt. So bezahlen diese einkommensschwachen Selbständigen, wenn sie nicht selbst aktiv werden und einen Antrag auf Härtefall stellen, immer den Kassenbeitrag, der für den Verdienst von 1968,75 Euro fällig ist. Dieser liegt je nach Kasse um die 300 Euro, mal etwas weniger, mal etwas mehr.

 

Allerdings ist dieser Antrag eines Härtefalles nicht nur einkommens-, sondern auch vermögensabhängig, was ein weiterer Skandal ist. Wer Vermögen über 10220 Euro hat, muß weiterhin die Kassenbeiträge eines monatlichen Einkommens von 1968,75  Euro bezahlen, auch wenn er weniger verdient.

 

Von sich aus senken die Kassen den Beitrag nicht unter das 1968,75er Niveau und viele geben auch den Selbständigen nicht den Hinweis auf die Möglichkeit der Senkung des Beitrags. Wer also nicht von selbst oder durch Freunde oder Bekannte darauf hingewiesen wird, zahlt den erhöhten Beitrag, obwohl er oder sie das nicht müssten und bezahlt so monatlich etwa 80-120 Euro mehr, als er müsste. Das sind immerhin um die 1000 Euro im Jahr, mit denen sich die Kassen auf diese Art pro Selbständigen bereichern und das mit Hilfe der Politik, die den Krankenkassen diese 1968,75er Grenze gesetzlich fundiert hat und anscheinend keine Hinweispflicht der Kassen in das Gesetz hineingeschrieben haben.

 

So leisteten unsere Politiker aktiv einen Beitrag zur Sanierung der Krankenkassen auf Kosten der Ärmsten unserer Gesellschaft, wenn das nicht mal Gemeinsinn ist! Bei den Wohlhabenden tun sie sich da schwerer.

 

Da klagten anfang des Jahres 2012 die Krankenkassen über Millardenverluste durch säumige Zahler, „…auch rund 530.000 Versichertenkonten von freiwillig gesetzlich Versicherten hauptsächlich Selbstständig  sind dem Bericht zufolge nicht ausgeglichen gewesen.“, ….

 

….dass viele von denen viel zu viel bezahlen, von den zu Unrecht geforderten oder kassierten Ansprüchen und Gewinnen, davon hört man nichts!

 

Tipps zur Härtefall-Neueinstufung siehe hier

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Von User:MattesEigenes Werk, Gemeinfrei, Link

Zur Überschrift „Eure Armut kotzt mich an“ eine Untersuchung von Wilhelm Heitmeyer…