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Immer mehr fordern Griechenlands Rausschmiss aus der EU

Gedanken ohne Menschlichkeit

Es ist nicht neu, dass in der Debatte um Griechenlands Zahlungsunfähigkeit die Forderung nach Griechenlands Austritt (Rausschmiss) fällt. Nachdem den Griechen Sparzwänge abverlangt wurden, die unzählige Menschen ins Elend treiben, rufen nun vereinzelt selbsternannte deutsche „Fachleute“, wie Bosch-Chef Franz Fehrenbach?, dazu auf, Griechenland solle nicht nur zur Drachme zurück, sondern habe auch in der EU nichts mehr zu suchen. Griechenland sei „marode und in einer Solidargemeinschaft eine untragbare Belastung“, so Fehrenbach.

 

Thomas Straubhaar,  Leiter des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI), erklärt Griechenland zum „gescheiterten Staat“ und meint, den Griechen fehle es nicht an Geld, sondern an wirkungsmächtigen Institutionen. Die Forderung nach einem Marshallplan für Griechenland führe in die Irre?. Der griechische Staat müsse rundum saniert werden, damit meint Straubhaar, dass „funktionsfähige staatliche Strukuren“ entwickelt werden müssten. Straubhaar versteigt sich zu der Forderung, „Griechenland zu einem europäischen Protektorat zu machen“.

Haben sie ihren Stahlhelm schon geputzt, Herr Straubhaar?

Beide zuvor zitierten Autoren zeichnen sich vor allem durch völlige Ignoranz gegenüber der betroffenen Bevölkerung aus. Genauso wie der Troika, bestehend aus EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB), das Schicksal der Bevölkerung völlig gleichgültig scheint. Hauptsächlich geht es allen darum, die Finanzmärkte und damit die Gläubiger zu schützen.

Menschen scheinen im Denken der Handelnden nur ein zu ignorierender Nullfaktor zu sein. Staaten werden auf ihre Bilanzen, ihre Wirtschaftskraft reduziert, dass aber Menschen in völlige Verzweiflung geschickt werden, damit die Kasse stimmt, ist brutal und menschenverachtend!

 

Wollen wir so eine EU?

Wir müssen immer bedenken, dass das, was heute die Griechen durchleben, auch eines Tages uns erwischen könnte. Dann hätten auch wir gerne Staaten um uns, die uns nicht fallen lassen, sondern in der Krise zur Seite stehen.

Die Gleichgültigkeit, die beide Autoren gegenüber den menschlichen Schicksalen der vielen von Armut und Elend bedrohten Menschen Griechenlands an den Tag legen, sollte uns mißtrauisch gegenüber ihren Vorschlägen machen.

Sicher hat Griechenland Fehler gemacht.

Doch diese Fehler wurden in jedem Land der EU mehr oder weniger auch gemacht. Alle EU-Staaten sind bis an den Hals verschuldet und vom Bankrott bedroht. Die Griechen hat die Spekulation der Finanzmärkte auf ihren Zusammenbruch nur früher erwischt, als andere. Griechenland ist nicht in erster Linie an seiner innerstaatlichen Misswirtschaft gestrauchelt, sondern an der Struktur der Finanzmärkte, was beide oben zitierten Autoren noch überhaupt nicht zur Kenntnis genommen haben.

Vom eigentlichen Problem sprechen nur wenige:

 

Wieso sind eigentlich alle öffentlichen Haushalte der (privat) reichsten Länder der Erde hochverschuldet?

Zudem sollten wir im Gedächtnis behalten, dass der Reflex der Entsolidarisierung ein typischer, wenn auch falscher Automatismus innerhalb und zwischen den Staaten ist! Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Nationalismus sind reflexhafte Traditionen Europas als Pseudo-Lösung von Krisen.

Wollen wir das? Und hilft das etwa, irgendein Problem zu lösen?

Nein! Wir Bürger müssen endlich zur Kenntnis nehmen, dass Politiker zwecks Machterhalts dazu neigen, die eigentlichen Probleme zu tabuisieren. Nicht nur in Griechenland, Herr Straubhaar, herrschen nämlich „Korruption, Vetternwirtschaft und Schwarzarbeit“, die sie als griechische Normalität beschreiben und in anderen Ländern sind diese Faktoren vielleicht wirklich nicht so dramatisch, wie in Griechenland, aber auch unsere deutsche Wirklichkeit ist nicht besonders erquickend. Griechenland hat laut Spiegel ca. 352 Milliarden Euro Schulden, dagegen stehen 2 Billionen Euro Schulden auf deutscher Seite.

Spricht das etwa für solide deutsche Finanzpolitik?

Deutschland ist nur nicht Pleite, weil es von der EU durch seine Exportüberschüsse stark profitiert. Doch auch unsere Finanzminister langweilen seit Jahren mit ihrem hohlen Geschwafel von Haushaltssanierung……, weil keiner sich an die Wahrheit wagt:

Die Staaten der EU sind nur zu sanieren, wenn die Schere von privater Reichtumsbildung und öffentlicher Verarmung geschlossen wird!

Die Finanzeliten dieser Länder müssen endlich zur Kasse gebeten werden, sprich, soziale Verantwortung übernehmen, denn ohne die Verarmung der Öffentlichkeit wären ihr Reichtum nie entstanden!

Sprechen wir darüber. Die Schuldner Griechenlands sind laut Spiegel?:

Staaten, Banken, die EU, die IWF, Versicherungen, die EZB, Sozial-, Investment-, Versicherungs-, Hedge- und was es sonst noch so an Fonds gibt.

Erlassen diese den Griechen den Großteil ihrer Schulden, verteilt sich die Dramatik auf verschiedene Schultern und versetzt die Griechen in die Lage, notwendige Reformen durchzuführen, ohne ihre Bevölkerung ins Elend zu entlassen! Das wäre WIRKLICH eine Perspektive für die Griechen und nicht dieses menschenverachtende und perspektivlose  Diktat der Troika, die heute im Europaparlament von Straßburg von Daniel Cohn-Bendit als „neoliberale Taliban“? bezeichnet wurde.

„Die Arbeit der Troika in Griechenland sei „unverantwortlich, ich würde sogar fast sagen kriminell“, so Cohn-Bendit. Die auferlegten Forderungen seien eine „Nötigung des griechischen Volkes“. Provoziere man ein Volk permanent, würde es auch Fehlentscheidungen treffen, fügte der Abgeordnete hinzu.“ (Zitat: DiePresse.com?)

Bei den Griechen muß mit dem Schuldenerlaß begonnen werden, doch wer Umverteilungen dieser Art als Mächtiger unter Mächtigen anspricht, begibt sich in die Gefahr, geächtet zu werden und Reputation und Job zu verlieren, denn er wäre doch mal wieder nichts anderes, als ein sozialistischer Spinner, stimmt’s?

PS: Nein, Herr Wulff, wir haben unsere Rücktrittsforderung an sie nicht wegen Griechenland vergessen!

Foto: 122959_web_R_K_by_Paul-Sippel, www.pixelio.de