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Paranoia bei PEGIDA & Co

 

 

Die Bedrohung ist gigantisch, vor allem die gefühlte. „Mit einem Ausländeranteil von 23,7 auf 1000 Einwohner liegt Sachsen im unteren Viertel aller Bundesländer.“ schreibt der Focus unter der Überschrift:

„Immer mehr Ausländer in Sachsen heimisch“

 

Für alle, die eine Angststörung haben oder eben ihr Hirn im Schädel nur spazieren tragen, ziemlich bedrohlich, weil bei 23,7 Ausländer zu 976,3 Deutschen die Bedrohungsgefühle eher umgekehrt sein müssten.

 

Auf die 15000 Demonstranten der bisher größten Montagsdemo in Dresden kommen also anteilig 355,5 Ausländer, von denen sich die 15000  Demonstranten derart bedroht fühlen, dass sie von der  „Bedrohung des Abendlandes“ sprechen. In der Weimarer Republik rief schon einmal Oswald Spengler den „Untergang des Abendlandes“ aus, was folgte, war der Aufstieg des Faschismus in Europa und sein fulminanter Untergang. In dieser Hinsicht müssen die Bedrohungsgefühle unserer Mitmenschen ernst genommen werden. Nur zum Faschismus sollten wir es nicht kommen lassen.

 

Wie aber umgehen mit Sachsens Angsthasen?

 

Die „Welt“ schreibt:  „Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) forderte die Politik auf, sich mit den Sorgen und Fragen der Pegida-Anhänger auseinandersetzen.

 

Das wäre sicherlich gut, wenn man wüsste, was PEGIDA überhaupt will. Und es wäre sicherlich auch gut, wenn de Maizière damit nicht einfach vermehrte Abschiebung oder strengere Aufnahmeregelungen von Ausländern meinen würde, was anzunehmen ist, da Politiker ja gerne politische Bewegungen zu ihren Gunsten instrumentalisieren. Denn dann würde de Maizière ja nur dem Irrtum und der Angsthasen-Politik PEGIDAS folgen.

 

Die unterschwelligen Elemente des PEGIDA-Erfolgs aber übersieht de Maizière und seine Kollegen aus der Politik, und zwar schon seit Jahrzehnten:

 

PEGIDA, das ist der totale Frust gegenüber einer Politik, die seit Jahrzehnten davon lebt, den Besitz und die Rechte der Bevölkerung meistbietend zu verhökern, und sich nicht mehr um die Renten, die Einkommen, die Arbeitsrechte und -bedingungen, um die Ausbildung, die Gesundheit, die Verarmten zu kümmern.

 

„Es [PEGIDA] ist eine neue Erscheinung, schwer zu greifen, schwer zu begreifen, eine Bewegung, gespeist aus Angst vor Fremden, vor allem aber gespeist aus tiefster Verachtung und blankem Hass auf die Politik, ihre Repräsentanten, die Parteien, die Medien.“,  schreibt die Frankfurter Rundschau. Die Menschen, die bei PEGIDA mitlaufen sind politisch Frustrierte, die glauben, dass ihnen die Ausländer etwas wegnehmen, was ihnen, den Deutschen zustehe. Naiv sind sie darin, zu glauben, was die Ausländer nicht bekommen, würde automatisch bei ihnen landen. Das ist lächerlich.

 

Politik ist längst zu einem Politlobbyismus verkommen, bei dem sich die ökonomisch Stärksten immer weiter durchsetzen. Die auf der Strecke bleiben, positionierten sich schon immer weit rechts oder links von der Mitte, die ja nur noch dadurch definiert ist, dass sie die Klappe hält, weil sie noch profitiert, nicht radikal antidemokratisch ist und immer kleiner wird.

 

Das schlimmste an PEGIDA ist nicht das Rebellische, das ist längst überfällig, sondern seine Ausländerfeindlichkeit, die eigentlich die finanzielle Ausbeutung der unteren 20-30 % der Bevölkerung meint (Steuern, Stundenlöhne, Kranken- u. Rentenversicherung) und die paranoide Haltung ist Ausdruck immer unmenschlicheren Drucks auf den Einzelnen.

 

Keine Frage, die Menschen, die dort demonstrieren, werden von rechtsextremistischen Ausländerfeinden ebenso instrumentalisiert, wie von einer Politk, die viel verspricht und wenig hält.  An dem Erfolg der Demonstrationen zeigt sich aber auch, wie armselig die politischen Alternativen für die immer größer werdende Zahl der Unzufriedenen sind.

 

Da habt ihr eure Nicht-Wähler und kennt sie immer noch nicht.

 

Der Hass von PEGIDA gegen die Presse ist weniger leicht zu erklären. Doch scheint es so zu sein, dass diese Menschen durch ihre Bedrohungsgefühle längst sektenartige, paranoide Züge entwickelt haben. „Linksversifft“, „Linksfaschisten“, „Gutmenschen“, „Linkspresse“, „Mainstreampresse“, „Meinungsmonopol“, wer auf der PI-Seite (Politically Incorrect) in die Kommentarspalten schaut, findet unzählige dieser aggressionsgeladenen Kampfbegriffe der „Neuen Rechten“, mit denen sie alles verbal abschlägern, was ihnen nicht passt. In ihrem Hass sind sie längst abgeschottet und keiner Argumentation mehr zugänglich. Zugleich schimmert der aus der Ohnmacht geborene Diktatoren-Traum der Rechten hindurch, eines Tages mit dieser Politik und Presse abzurechnen.

 

Das erinnert an das, was die Anhänger von PEGIDA immer weit von sich weisen: die Tradition des Nationalsozialismus. Der Aufstand der Angepassten, der dumpfe Hass, der sich in der Passivität der Anpassung aufstaut, die Lust auf Rache ist die Quittung für jahrelanges Maulhalten der Duckmäuser…

 

Wann wird die Politik begreifen, dass die jahrelange Ruhe der Bevölkerung bei Reformen zur Sanierung von Wirtschaft, Banken, Rente, Gesundheit und Staatshaushalt, riesige Bereiche, die sich immer zu Lasten der Mittelschicht und des Sozialstaats sanierten, dass diese Ruhe auch ihren Preis hat, den sollen jetzt die Ausländer bezahlen………

 

An der Politik soll’s nicht liegen, schon im Mittelalter waren die Juden das politische Opfer für den Mob.

 

Was haben wir von der Politik zu erwarten? Wenn’s so läuft wie bisher? Nichts außer Worthülsen. Ist doch gut, wie es läuft, ist doch profitabel. Doch für wen? Das Modell der „repräsentativen Demokratie“ in seiner deutschen Ausprägung als Parteiendemokratur hat sich in seiner schönen Scheinheiligkeit totgelaufen. Die Parteien haben sich zu einer diktatursähnlichen Politbürokratie entwickelt indem sie demokratische Teilhabe immer mehr vom Zentrum an den Rand gedrängt haben.

 

Wenn deutsche Regierungen den Staat immer mehr als neoliberales Systen entwickeln, das sich für die Belange immer weniger Bürger interessiert, braucht sich die Regierung nicht zu wundern, wenn sich immer mehr Bürger für diese Art von Staat nicht mehr interessieren!

 

Noch sieht die Politik keinen Grund zur Selbstkritik. Ist irgendeine dieser Parteien zu einer grundlegenden Veränderung bereit?

 

Der Glaube an das politische System der BRD ist tief geschädigt, nur die Politik hat es noch nicht bemerkt.

Bild:
Von Metropolico.org – https://www.flickr.com/photos/95213174@N08/16928310121/in/album-72157651565863585/, CC BY-SA 2.0, Link