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„Schwarzer Sonntag“ in Ägypten!

24 Tote, 200 Verletzte – 9. Oktober 2011

Jeder demokratische Umbruch einer vormaligen Diktatur steht vor dem Problem, wie man mit den alten, autoritären Eliten umgeht.

So auch Ägypten, das von scheinheilig, pseudodemokratischen Militärs regiert wird. Mit jedem Tag, der verstreicht, wird deutlicher, dass Ägypten mit den alten Eliten keine demokratische Zukunft haben wird. Die große Frage wird also sein, ob der Schwung der Demokraten reichen wird, die alten Eliten aus dem Weg zu räumen. Momentan muß das bezweifelt werden. Anscheinend haben die Militärs unter Führung Mohammed Hussein Tantawis die Demokratiebewegung nur dazu benutzt, selbst an die Macht zu kommen und jetzt zeigen sie ihr wahres Gesicht.

 

Wie Spiegel Online berichtet, operieren die ägyptischen Militärs nicht anders wie zuvor Mubarak, indem sie religiöse Gruppen gegeneinander ausspielen und für ihre eigenen Zwecke instrumentalisieren.

„Das Mubarak-Regime hatte es lange verstanden, die religiösen Spannungen in Ägypten nach Bedarf anzufachen und für sich zu nutzen. Indem es gelegentlich Gewaltausbrüche orchestrierte und dann niederschlug, suggerierte das Regime, nur ein mit harter Hand regierender Herrscher könne die Ruhe in Ägypten wahren. Der Militärrat setzt nun offenbar auf dieselbe Masche.“ (aus: Spiegel Online vom 10.10.2011, Straßenschlacht in Kairo von U. Putz)

Jetzt ist offensichtlich geworden, was man schon früher vermuten durfte: die Demokratiebewegung Ägyptens kann weder dem Militär noch dem Staatsfernsehen trauen und steht vor der schwierigen Frage, wie sie nun weiter machen soll. Eine Demokratie scheint nur noch möglich, wenn der Kampf gegen die konservativen Kräfte innerhalb der militärischen Führung gewonnen werden kann.

Die christlichen Kopten dienen den Militärs als Ablenkung, Ventil und Prügelknabe. Die Angst, die bei gesellschaftlichen Umbrüchen immer entsteht, schlägt um in Aggression gegen die Kopten. Das Militär spielt hierbei den Hüter von Religion und Recht und Ordnung. Die Ägypter werden den Prozess der Demokratisierung nur dann aufrecht erhalten können, wenn sie es schaffen, ihren Anhängern klar zu machen, dass der angebliche Konflikt zwischen Kopten und Islam nur ein Ablenkungsmanöver der Militärs zum eigenen Machterhalt darstellt.

Das historische Beispiel Deutschlands, der Übergang vom Kaiserreich in die Weimarer Republik und das Scheitern der Weimarer Republik hat im Nachhinein gezeigt, dass eine Demokratie nur dann dauerhaft überstehen kann, wenn nicht auf die alten Eliten gesetzt wird und die demokratische Bewegung Ägyptens steht vor der gewaltigen Frage, wie sie das leisten kann.

Und Mohammed Hussein Tantawi, der oberste Militär der Ägypter, wandelt auf dem schmalen Grat zwischen diktatorischem Staatsoberhaupt und der Anklagebank in Den Haag, das sollten ihm die demokratisch Kräfte Ägyptens und unsere Politiker klar machen.

Die Demokratiebewegung Ägyptens braucht vor allem materielle Unterstützung vom Westen und Amerika, doch ob diese in ausreichendem Maße kommt, hängt davon ab, wie wir unsere Politiker dazu drängen, die Ägypter zu unterstützen, denn unsere Politiker sind weitestgehend mit eigenen Finanz-Problemen beschäftigt.

Armes Ägypten, dir stehen noch große Kämpfe bevor.